27.10.2020
von Stefani Bodza

Bereits im letzen Jahr wurde im IBTM World's Trends Watch Bericht 2019 die virtuelle Erlebniswirtschaft als die nächste Stufe in die Zukunft angepriesen. Vor allem meint man damit die Verschmelzung von digitalen und Live-Events. Wie die aktuellen Geschehnisse nahelegen, sind virtuelle Events tatsächlich zur neuen Normalität geworden. Für viele sind virtuelle Veranstaltungen eine Notwendigkeit, um das Unternehmenswachstum voranzutreiben.

Das Aufkommen der virtuellen Erlebniswirtschaft ist eine natürliche Erweiterung des wahrgenommenen Teilnehmerwertes. Veranstaltungsplaner suchen stets neue Wege, das Erlebnis zu differenzieren, um die Zufriedenheit der Teilnehmer zu erhöhen. Es handelt sich dabei um eine Schlüsselstrategie, die von zunehmenden Unternehmen eingesetzt wird, um reichhaltigere Kundenerlebnisse zu bieten.

Virtuelle Erlebniswirtschaft

Um sich das ganze bildlicher vorstellen zu können, nehmen wir als Beispiel Coffeeshops.

Käufer können jetzt Kaffee über eine App vorbestellen, so dass dieser zum Mitnehmen bereitsteht und schon bezahlt ist, wenn sie zum Abholen kommen. Lieferservices wie Uber Eats und Deliveroo bringen frisch zubereiteten Kaffee zu Ihnen nach Hause oder ins Büro. Beim Bezahlen mit der mobilen App eines Coffeeshops werden oft Treueprämien oder Unterhaltungsangebote freigeschaltet.

Schon die Bereitstellung von schnellem, kostenlosem WiFi und Ladepunkten in den Kaffeehäusern gibt dem Kunden das Gefühl, die Marke wie ein Zuhause oder ein entferntes Büro behandeln zu können. All dies sind die Markenzeichen der virtuellen Erlebniswirtschaft.

Obwohl die virtuelle Erlebniswirtschaft Hand in Hand mit Technologie geht, ist sie mehr als nur eine Verschmelzung von Veranstaltungen mit neuen Technologien.

Kim Myhre, Geschäftsführerin von MCI Experience, beschreibt im IBTM World Trends Watch-Bericht 2019, wie es sich um eine neue Art handelt, strategisch über Events nachzudenken.

Er meint: „Der beste Weg, dies zu betrachten, ist indem man auf die 'Bedürfnisse' schaut, die eine gute Veranstaltung während der gesamten Reise der Teilnehmer erfüllen wird. Wie sollen sich die Teilnehmer fühlen, was sollen sie denken, was müssen sie wissen, und was sollen sie tun, wenn sie sich auf Ihre Veranstaltungserfahrung einlassen?“

Dieser strategische Ansatz sieht vor, dass die virtuelle Erlebniswirtschaft in eine Reihe von Teilnehmer-Touchpoints aufteilt. In jeder Phase der Teilnehmerreise werden Fragen zur Bequemlichkeit, Personalisierung, zu On-Demand-Inhalten und zur Wirkung der Technologie gestellt.

Kim Myhre fährt fort: „Sie haben eine Welt, in der Inhalte ständig 'On Demand', herunterladbar und mitzunehmen sind. Das muss auch für Veranstaltungsinhalte gelten. Bei der virtuellen Erlebniswirtschaft geht es nicht nur um den Einsatz von Technologie, sondern darum, sicherzustellen, dass die Technologie einen echten Mehrwert schafft. Das bedeutet, dass die Idee, den Teilnehmer zu begeistern, immer komplexer wird. Es geht um mehr als nur Gimmicks und Tricks, es geht um Technologie mit einem Zweck, plus Kreativität, die wirklich verblüffend ist".

Trend Watching, eine globale Trendforschungsorganisation, sagt, dass die meisten Massentrends dieser Art an „menschliche Grundbedürfnisse" appellieren. Sie glaubt, dass sich die Bedürfnisse, an die sich die virtuelle Erlebniswirtschaft wendet, in vier Kategorien einteilen lassen: Bequemlichkeit, Selbstverbesserung, Status und Vergnügen.

Bequemlichkeit

Virtuelle Erlebniswirtschaft

Dies ist das Bedürfnis der Verbraucher oder Eventteilnehmer, bei einer Veranstaltung den gleichen Komfort zu haben wie zu Hause oder am Arbeitsplatz. Dazu könnten "On-Demand"-Dienste wie der sofortige Zugang zu Informationen, Lieferungen, Dienstleistungen, Konnektivität oder Essen und Trinken gehören. Beispiele dafür sind die Spinde von Amazon Prime, die beim Coachella-Musikfestival in den USA installiert werden, oder die Partnerschaft von Uber Eats mit Starbucks.

Selbstverbesserung

Dies deutet ebenfalls auf den wachsenden Wellness-Trend hin, umfasst aber alle Ebenen der Verbesserung, mögen sie spiritueller, körperlicher, intellektueller oder emotionaler Natur sein. Beispiele dafür sind die Einführung einer "Human Upgrade Facility" durch das Beverley Hilton vor Ort oder die Schaffung eines sensorischen Wellnesszentrums "Red Room" beim neuseeländische Pharos Festival.

Status

Trend Watching beschreibt das Bedürfnis der Verbraucher nach einem Status als treibende Kraft bei der Übernahme von Erfahrungen. Dies ist der Status, der mit der Teilnahme an der "Pflichtveranstaltung" einhergeht, oft persönlich, während andere zuschauen. Dies wird durch die Linse der sozialen Medien, einer Möglichkeit, den Status online zu zeigen, zunehmend vergrößert. Ein besonders extremes Beispiel dafür findet sich unter den vielen Fragen, die rund um das unglückselige FYRE-Festival 2017 aufgeworfen wurden, welches zum Gegenstand eines Netflix Dokumentarfilms wurde.

Vergnügen

In ihrem Herzen bringen große Events Freude, sei es durch Bildung, Information oder Unterhaltung. Die virtuelle Erlebnisökonomie hat hier viel zu bieten, sei es "on stage" mit umwerfenden Projektionen und Drohnen-Displays oder "off stage" durch virtuell geteilte Erlebnisse. Zunehmend geht es bei der virtuellen Erlebniswirtschaft aber auch darum, Online-Welten innerhalb von Veranstaltungen zu schaffen, wie die Menschen hinter dem Videospiel Fortnite zeigen, das regelmäßig "Events" in seiner virtuellen Welt veranstaltet, wie zum Beispiel das Echtzeit-Konzert 2018 mit DJ Marshmello in der Hauptrolle, das von über 10 Millionen Menschen "besucht" wurde.

Virtuelle Erlebniswirtschaft

Laut Sherrif Karamat, CAE-Präsident und CEO der PCMA wird die virtuelle Erlebniswirtschaft noch eine ganze Weile unsere Industrie bestimmen: „Von der vollständig digitalen Online-Erfahrung, wie z.B. die Party Fortnight / DJ Marshmello, bis hin zu Festivals und Konferenzen mit sensorischen Räumen, die eingebaut wurden, um eine bessere Achtsamkeit anzuregen, entwickelt sich die Virtual Experience Economy schnell aus dem traditionellen 'Erlebnis-Event' heraus. Wenn man den Experten der Veranstaltungsbranche Glauben schenken darf, wird sie die Tagungs- und Veranstaltungsbranche noch zehn Jahre lang dominieren".

 

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Stefani Bodza

Seit März 2019 unterstützt Stefani Bodza das Event Cloud Marketing Team von Cvent bei der Lead-Generierung für den europäischen Raum und ist seit Ende November 2019 die Marketing-Verantwortliche für den DACH-Markt.  Nach Vollendung Ihres Masterstudiums in Brand Management & Marketing und Ihres CIM Marketing-Diploms, war Stefani Bodza bei Tough Mudder schon selbst auf der Eventplaner-Seite tätig.

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